• „Deutschland geht es hervorragend.“ „Es ist stärker aus der Krise herausgekommen, als es in die Krise hineinging.“ „Immer mehr Deutsche haben einen Arbeitsplatz.“ „Die Deutschen sind reicher als jemals zuvor.“ All dies sind vielfach wiederholte Aussagen der - in ihrer Selbstdarstellung - „besten Regierung seit der Wiedervereinigung“ aus den vergangenen Monaten und Jahren. Punktuell sind diese Behauptungen sogar, von den einzelnen Fakten her betrachtet, nicht einmal falsch.

     

    Auf der anderen Seite gibt es hingegen unzählige Berichte über Armut in Deutschland, über sich in existenzieller und gesundheitsgefährdender Not befindliche und verzweifelte Menschen, über längst überwunden geglaubte Formen menschlicher Ausbeutung und über Verletzungen grundlegender Menschenrechte. 350.000 Haushalten in Deutschland wurde zum Beispiel 2013 der Strom abgeschaltet, weil sie ihre Stromrechnungen nicht mehr begleichen konnten. Es bleibt inzwischen unhinterfragt, wieso in diesem Land überhaupt die Notwendigkeit besteht, mithilfe von Tafeln Lebensmittel an arme Menschen zu verteilen, da doch der Staat die Verpflichtung hat und sich sogar dazu bekennt, deren Existenzminimum zu sichern. Mehr als 1,5 Millionen Menschen wöchentlich beziehen bei den seit 1993 entstandenen über 900 Tafeln in Deutschland teilweise ihre Lebensmittel. Mancherorts existieren gar Wartelisten von bis zu zwei Jahren für die Tafeln.

     

    Parallel dazu arbeitet fast ein Viertel aller Beschäftigten im Niedriglohnbereich. Nicht nur Erwerbsarbeitslose müssen ihr Dasein unterhalb der Armutsgrenze fristen - dies betrifft gleichfalls mehr als drei Millionen Beschäftigte. Während die zur Einführung des ALG II von Politikern versprochenen „absoluten Ausnahmen“ von Zwangsumzügen bei Hartz IV-Betroffenen schon von Beginn an bitterer Alltag sind, können inzwischen auch 379.000 Personen aus dem (noch) beschäftigt arbeiten¬den Bevölkerungsteil ihre Miete nicht mehr begleichen. (Arm trotz Arbeit: Mehr als drei Millionen Erwerbstätige von Armut bedroht, Spiegel Online vom 24. Januar 2015)

     

    Empfahl der damalige Berliner Finanzsenator, Thilo Sarrazin, den Arbeitslosen noch, sich im Winter mit zwei Pullovern gemütlich im kalten Wohnzimmer einzurichten und weniger zu heizen, können sich heute auch 417.000 Beschäftigte kein ausreichendes Heizen ihrer Wohnung mehr leisten. Schoss in den vergangenen Jahren eine Vielzahl von dubiosen Speiseplänen für Hartz IV-Empfänger ins Kraut, stellte das Statistische Bundesamt nun fest, dass sich auch 538.000 Erwerbstätige nur noch jeden zweiten Tag eine warme Mahlzeit finanziell erlauben können.................

     

    von Lutz Hausstein

    Hier die ganze Studie:

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