Angepinnt Rückkehr von der privaten in die gesetzliche Krankenversicherung ohne einjährige Wartezeit!

      Rückkehr von der privaten in die gesetzliche Krankenversicherung ohne einjährige Wartezeit!

      Wer privat versichert ist, konnte bisher nur unter erschwerten Bedingungen in die gesetzliche Krankenversicherung zurückkehren: Erst nach einjähriger Wartezeit durften unter 55-Jährige wieder in die Gesetzliche. Fast unbemerkt hat sich der Gesetzgeber bereits vor einem Jahr von diesem Prinzip verabschiedet. Seitdem kann (und muss) man bei Unterbrechung oder Aufgabe der hauptberuflichen Selbständigkeit ab dem ersten Tag zurück in die gesetzliche Kranken- und Pflegeversicherung.

      ...

      Die Versicherungspflicht in der gesetzlichen Krankenversicherung tritt zum Beispiel unter folgenden Bedingungen ein:

      • Nicht über 55 Jahre alt UND
      • Nicht (mehr) hauptberuflich selbständig:
      1. Keine sozialversicherungspflichtigen Angestellten (> 450 Euro) UND
      2. Anstellung überwiegt zeitlich (z.B. Arbeitszeit > 20 Stunden, Selbständigkeit < 20 Stunden) UND
      3. Einkommen aus Anstellung überwiegt Einkommen aus selbständiger Tätigkeit UND
      4. Gesamteinkommen unterhalb der Versicherungspflichtgrenze („Jahresarbeitsentgeltgrenze“ – kurz JAEG, 53.550 Euro pro Jahr bzw. 4.462,50 Euro pro Monat)

      Wenn eine solche Konstellation auftritt, muss der Arbeitgeber oder die Arbeitsagentur den Mitarbeiter bei einer gesetzlichen Krankenversicherung melden und er ist dann versicherungspflichtig.

      Bei einer nebenberuflichen Selbständigkeit ist ggf. ein detaillierter Nachweis (z.B. BWAs auf Monatsbasis) darüber nötig, wie sich die Einkommensverhältnisse im Zeitverlauf verändert haben. Ansonsten geht das Einkommen ja in der Regel aus dem Einkommensteuerbescheid hervor, der bei Selbständigen ein ganzes Jahr abdeckt.

      Wer seine Selbständigkeit ganz beendet und dann doch wieder eine Selbständigkeit aufnimmt, sollte sicher sein, dass zu diesem Zeitpunkt der Wechsel in die gesetzliche Krankenversicherung komplett vollzogen ist, um keine Fragen hinsichtlich eines Missbrauchs dieser Regelung aufzuwerfen.

      Wer die Selbständigkeit nur für einige Monate unterbricht und anschließend wieder in die private Krankenversicherung zurückkehren möchte, kann eine Vereinbarung mit der PKV schließen, die den Vertrag beitragsfrei stellt oder den Beitrag stark reduziert und eine Rückkehr ohne erneute Gesundheitsprüfung in denselben Tarif ermöglicht.

      Ein weiterer Zugang zur gesetzlichen Krankenversicherung führt über die Familienversicherung:

      • Ein Selbständiger erfüllt die Voraussetzungen für die Familienversicherung:
      1. Gründet oder beginnt nach Unterbrechung neue Selbständigkeit UND

      2. Monatseinkommen unter 395 Euro UND
      3. Ehepartner ist gesetzlich versichert

      Sowohl an eine Versicherungspflicht als auch an eine Familienversicherung schließt sich nach der Neuregelung eine „obligatorische Anschlussversicherung“ in der gesetzlichen Krankenversicherung an.


      Ich bin mir nicht Sicher, ob das alles wirklich so leicht ist. Denn es ist bekannt, dass die PKV-Anbieter einen Wechsel zu einem anderem Anbieter oder gar in die gesetzliche Krankenkasse deutlich erschweren. Das belegen unterschiedliche Gerichtsurteile. Daher raten unterschiedliche Prüfungsinstitute bei ihren Tests, dass der Verbraucher genau überlegen soll, ob er sich die zukünftigen Kosten wirklich leisten kann. Gerade im Alter kann es für den Nutzer sehr schwer werden. Denn in vielen Fällen reicht hier die gebildete Altersrückstellung nicht aus.

      Samsung55 schrieb:

      Ich bin mir nicht Sicher, ob das alles wirklich so leicht ist.

      Es ist doch nur diese einjährige Wartezeit gesetzlich ausradiert worden. Es müssen aber die anderen Voraussetzungen trotzdem noch erfüllt sein.
      Die Schwelle der 55 Jahre bleibt doch erhalten.
      Wer wechseln will, kann sich jetzt auf das Gesetz berufen, welches die PKV auch sehr genau kennen.

      Was die Empfehlung der Prüfinstitute betrifft, fällt mir nur ein: Alberner allgemeiner und nichtssagender Hinweis.
      Wer kann denn Kosten abschätzen, die in den nächsten Jahren auf ihn zukommen??
      Und dann noch Kosten wegen "Gesundheit"??? Und was hat das mit "Altersrückstellung" zu tun?
      Ich konnte vor 30 Jahren absolut nicht abschätzen, ob ich mir in 2014 noch eine PKV leisten kann, ob ich gesund oder längst krank bin und ob ich als Selbständiger jemals überleben werde können!

    Es gibt hier keine Rechtsberatung sondern wir tauschen nur Erfahrungen aus.

     

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